Wissenschaftler der Uni Vechta zu Gast im Oldenburger Gymnasium
Benjamin Möbus aus dem Fach Erziehungswissenschaften war der erste Wissenschaftler der Universität Vechta, der im Rahmen des Programms „Meet a Scientist“ eine Schule besucht hat. Was er in einer 10. Klasse der Cäcilienschule Oldenburg erlebte, überraschte ihn positiv.
Die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz in der Schule dreht sich häufig um negative Aspekte: Schreiben Schülerinnen und Schüler ihre Hausaufgaben noch selbst? Kann man Aufsätze noch bewerten? In einer 10. Klasse der Cäcilienschule Oldenburg wurde nun ein anderes Gespräch geführt. Die Schülerinnen und Schüler fragten, wann KI das eigene Denken schärft – und wann sie es ersetzt. Sie diskutierten vorurteilsbehaftete Trainingsdaten von KI-Systemen, berichteten von eigenen Erfahrungen und erkundeten, wie sich das Werkzeug für ihr Lernen nutzen lässt, ohne dabei das Lernen selbst abzukürzen. Möglich gemacht hat dieses Gespräch das Programm „Meet a Scientist“ des Schülerforschungszentrums NordWest (XperimenT!). Es vermittelt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Schulen in der Region – kostenlos, während der regulären Unterrichtszeit, direkt im Klassenzimmer oder digital. Initiiert hatte den Besuch Dr. Maleika Gralher-Krengel, Lehrerin für Biologie, Deutsch und Darstellendes Spiel an der Cäcilienschule und in der Schulleitung unter anderem zuständig für Digitalisierung.
Möbus forscht und lehrt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Schnittstelle von Erziehungswissenschaft, Medienbildung und digitalen Lernumgebungen. In der Cäcilienschule hatte er keine Präsentation über KI-Tools im Gepäck, sondern eine pädagogische Frage: Wann unterstützt KI Lernprozesse – und wann untergräbt sie sie? Ausgehend von den Grundlagen textbasierter KI-Systeme arbeitete er gemeinsam mit der Klasse heraus, was es bedeutet, KI als dialogischen Lernpartner zu nutzen: für die Vorbereitung auf Prüfungen, zur Weiterentwicklung eigener Texte, zur kritischen Prüfung von Argumenten. Gleichzeitig thematisierte er Grenzen: inhaltliche Unzuverlässigkeit, die Reproduktion von Stereotypen und die Gefahr, Denkprozesse vorschnell auszulagern.
„Sehr positiv überrascht hat mich, dass sich viele Schülerinnen und Schüler bereits intensiv mit Fragen von Bias auseinandergesetzt hatten – also mit systematischen Verzerrungen in KI-Systemen, die daraus entstehen, dass diese Modelle aus vorhandenen Daten lernen und dabei bestehende Muster und Ungleichheiten mit übernehmen und teilweise verstärken; etwa im Hinblick auf Geschlechterstereotype oder politische Positionen.“ Es zeigte sich ein wachsendes Bewusstsein dafür, KI nicht unreflektiert zu nutzen, sondern kritisch einzuordnen. „Das hat mich sehr bestärkt, weil es zeigt, wie wichtig es ist, Schülerinnen und Schüler einzubeziehen und ihre Kompetenzen zur kritisch-konstruktiven Nutzung von KI gezielt zu fördern“, sagt Möbus.
Dr. Gralher-Krengel hatte Möbus gezielt über „Meet a Scientist“ angefragt: „Ich finde es sinnvoll, Schülerinnen und Schülern durch Kooperationen mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern auch die Welt außerhalb der Schule zu zeigen und ihnen durch Expertinnen und Experten Inhalte zu bieten, die wir Lehrkräfte zumindest nicht in der Qualität – oder gar nicht – abdecken können“, sagt sie. „Es ist für uns außerdem sehr viel einfacher, solche Angebote zu nutzen, wenn sie kostenfrei sind und zu normalen Unterrichtszeiten in der Schule stattfinden können“, betont Gralher-Krengel. „Eine Schülerin sagte im Nachgespräch, man habe gemerkt, dass Herr Möbus für das Thema brenne – und daher habe man ihm auch gut zuhören können.“
Text: mit freundlicher Genehmigung von https://www.mynewsdesk.com/de/universitaet-vechta/pressreleases/ki-erklaeren-ki-hinterfragen-wissenschaftler-der-uni-vechta-zu-gast-im-oldenburger-gymnasium-3445950, Foto(s): Gr



